SJ 2020/21

„Wir wollen für Werte stehen“


Alexander Dorst ist der neue Leiter der Gemeinschaftsschule Aschara und will reformpädagogische Ansätze einbringen

Thüringer Allgemeine (Bad Langensalza), 9 Sep 2020 von Claudia Bachmann


                                                                        Alexander Dorst ist seit August der neue Leiter der Gemeinschaftsschule in Aschara.


Alexander Dorst ist seit August der neue Leiter der Gemeinschaftsschule. Wir sprachen darüber, was den 37-Jährigen nach Aschara verschlagen hat und wie er die Gemeinschaftsschule am Rande des Unstrut-hainich-kreises entwickeln will.


Was verschlägt den Schulleiter der evangelischen Gemeinschaftsschule in Erfurt nach Aschara?

Die Stelle der Schulleitung war ausgeschrieben und auch offen für alle, die nicht Bedienstete des Freistaats Thüringen waren. So eine Schule findet man in der Stadt nicht, sie ist etwas Besonderes. Wir haben intakte Sportanlagen und vor allem einen riesigen, 19.000 Quadratmeter großen Park. Als Leiter einer staatlichen Schule hat man enorm viele Gestaltungsmöglichkeiten. Es ist schon krass.


Wohin wollen Sie die Gemeinschaftsschule führen?

Wir haben uns als Kollegium in der Vorbereitungswoche vor dem Schulbeginn mit den möglichen Säulen für unsere Schule beschäftigt. Sechs haben wir herausgearbeitet. Die dazu gehörenden Projekte werden langfristig umgesetzt, die ersten aber bereits schon in den kommenden Wochen.


Wie muss man sich das vorstellen?

Wir haben direkt neben dem Schulgebäude den großen Park. Den können die Kinder nach dem Erdkinderplan von Maria Montessori gestalten. Sie hat die Bedürfnisse und sensiblen Phasen der Kinder und Jugendlichen analysiert und daraus das Konzept entwickelt. Wir wollen einen Teil des Parks roden und dort dann die Möglichkeit schaffen, selbst anzubauen. Das ganze Projekt bezieht verschiedene Fächer mit ein – von Mathe zum Ausrechnen der Flächen bis zu Biologie beim Anbau.


Wollen Sie, dass sich die Brückenschule in Aschara als eine reformpädagogische Schule profiliert?

Nein, das ist nicht der Ansatz. Die Reformpädagogik ist ein Element, das den klassischen Unterricht ergänzt. Dazu gehört aber nicht nur Montessori.


Sondern?

Es geht auch um Sport und um Demokratie. Wir wollen schon in den nächsten Wochen einen Klassenrat nach Freinet etablieren. Das Thema wird in Thüringen demnächst wohl eine größere Rolle spielen. Der Klassenrat trägt Themen an das Schülerparlament heran, das gibt dann die Beschlüsse wieder in den Klassenrat zurück. Die Schüler lernen, wie demokratische Prozesse funktionieren. Das ist es, was Schule lebendig macht. Und das macht die Schule auch interessant für andere potenzielle Schüler, denn wir stehen für die Vermittlung von Werten.


Das tun andere Schulen auch.

Hier muss ich widersprechen. In meiner Tätigkeit in der Schulentwicklung stelle ich eben fest, dass dies nicht der Fall ist. Hier wären wir in einer Art Vorreiterrolle in der Schullandschaft. Diese Art des Vorgehens ist unüblich in Schulen. Es gibt in Deutschland wenige Schulen, die dies tun. Bei uns wird das mit den sechs Säulen der Pädagogik im Brückenplan umgesetzt.


Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?

Ich bin der Typ Workaholic. Ich verstehe mich zum Teil auch als Coach. Mir macht Spaß, was ich tue. Ich habe in den vergangenen zehn Berufsjahren in Ober- und Unterfranken und seit 2015 in Thüringen gemerkt, dass eine Schule zu leiten und zu gestalten, das ist, was ich will. Aber immer zusammen mit den Kollegen, deshalb haben wir auch eine erweiterte Schulleitung geschaffen. Das schafft viele Ideen, und Entscheidungen werden nicht über die Köpfe der Lehrer, Erzieher und des Sekretariats hinweg gefällt.



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